Der graue Novembernebel verhüllt im Garten Büsche und Bäume, der trübe Nachmittag wird dunkler und dunkler. Ich zünde eine Kerze an und freue mich auf die kommende Adventszeit und darauf, dass ich mit meinen kleinen Enkelkindern die Weihnachtskrippe vom Dachboden holen kann.
Am 1. Advent kündigt sich Großes an!
Wie in der biblischen Geschichte setzen wir Maria in ihrem roten Kleid in die gute Stube und lassen ihr durch einen Engel verkünden, dass sie einen Sohn gebären wird, der den Namen Jesus tragen soll.
Der Josef steht derweil in seinem grünen Arbeitskittel in der Werkstatt des Zimmermanns, sägt an einem Balken und ahnt nichts von seinem Glück.
Fast ein ganz normaler Tag im Leben kleiner Leute. Keine Posaunen, kein großes Aufsehen – so fangen manchmal Wunder an!
Ein Stern weist am 2. Advent den Weg
Die drei Weisen stellen wir noch weit von der Krippe weg auf den Kachelofen, schließlich kommen sie aus dem heißen, staubigen Morgenland. Weit im Osten beobachten diese Sterndeuter mitten in der dunklen Nacht ein seltsames Phänomen: Zwei Wandelsterne nähern sich am Abendhimmel im Sternzeichen der Fische so stark, dass sie zu einem neuen Stern zu verschmelzen scheinen. Der eine war Jupiter, der Königsstern, der sich dem Wandelstern Saturn nähert, der für die Völker des Westens in Judäa stand. Bedeutete dies nicht, dass den Juden ein neuer König geboren wurde?
Den Stern hängen wir darüber auf, damit er ihnen den rechten Weg weist. So machten sich die Magier auf nach Jerusalem, um dem neuen Königsohn zu huldigen.
Der Aufbruch ins Ungewisse am 3. Advent
Der Esel wird aus dem Stall geholt, Proviant gekocht und das Bündel für die Reise geschnürt. Josef macht sich mit Maria auf, um von Nazareth nach Bethlehem zu ziehen. Dort, in der Geburtsstadt seiner Vorfahren soll er sich registrieren und schätzen lassen.
In Jerusalem nimmt niemand von den Reisenden Notiz, sind doch so viele dieser Tage unterwegs. Also stellen wir die beiden mit dem Esel an das Ende der Anrichte, noch außerhalb der Krippe, während der Stern jetzt über ihnen leuchtet, damit die drei Magier drüben auf dem Kachelofen das gleiche Ziel haben.
In der Krippe tummeln sich inzwischen noch Schafe und warten auf die Hirten, die sie auf die Weide bringen sollen. Als ob sie wüssten, dass ihr Platz gebraucht wird.
Am 4. Advent beginnt die Suche nach einer Herberge
Der Wirt schaut aus der Tür und bemerkt die Fremden, die eine Bleibe suchen. Ob er sie wohl aufnimmt?
Maria und Josef kommen jetzt in den Stall, der Esel dazu in ihre Mitte, der das frische Heu aus der Krippe frisst. Endlich am Ziel, aber unter welchen Umständen? Für Fremde mit wenig Geld hat sich auch in den 2.000 Jahren seither nichts geändert!
Die Heiligen Drei Könige haben den Sprung vom Kachelofen zur Anrichte geschafft, aber ihr Leitstern ist verschwunden.
Wie damals, als die Konjugation von Jupiter und Saturn sich nach einigen Tagen löste und in ganz Jerusalem niemand etwas vor der Geburt eines Königssohns wusste.
Endlich Heiliger Abend!
Die Kinder sind ganz aufgeregt vom Krippenspiel im Familiengottesdienst, die Eltern noch mit den letzten Vorbereitungen für die Bescherung und das festliche Abendessen beschäftigt, bis im Wohnzimmer die Gitarre erklingt und „Ihr Kinderlein kommet“ ertönt. Endlich!
In der Krippe liegt das Christkind in Windeln auf dem restlichen Heu, das der Esel übriggelassen hat, der in den angrenzenden Stall verbannt wurde. Dem zu sehr geliebten Jesuskind sind zwar schon vor vielen Jahren die Füße abhandengekommen, aber das tut der Anbetung keinen Abbruch.
Draußen auf dem Feld hat der Engel den Hirten die frohe Botschaft verkündet: „Euch ist heut‘ der Heiland geboren“ und so sind sie die ersten, die in ihren Alltagskleidern vor der Heiligen Familie stehen, Brot und Eier, Gemüse und Milch als Gaben darbieten.
Während wir zusammen Weihnachtslieder singen, denken wir an die eigenen Kinder und Kindeskinder und was für ein großartiges Geschenk uns damit gemacht wurde!
Heilig Drei König
Der Stern hängt jetzt direkt über dem Stall mit der Krippe und dank dem erneuten Zusammentreffen von Jupiter und Saturn am südlichen Abendhimmel haben die drei Magier Jerusalem verlassen und in Bethlehem das Christkind gefunden.
Als erster bringt der alte Melchior in einen königsblauen Mantel gehüllt seine Gabe – Gold für den neugeborenen König. Der zweite ist Balthasar, im besten Mannesalter mit dunklem Vollbart und purpurrotem Gewand, der dem Heiland der Welt Myrrhe als Arznei zu Füßen legt. Der dritte ist der Jüngling Caspar mit dunklem Gesicht, wie ein Syrer im lindgrünen Umhang gekleidet, der Weihrauch für den Propheten des Evangeliums darbringt.
Draußen hat endlich der Nachtfrost den Nebel vertrieben und in der sternklaren Nacht halten wir Ausschau nach Saturn und Jupiter, ehe am nächsten Tag die ersten Schneeflocken tanzen.
Der Bamberger Krippenweg
Der Bamberger Krippenweg ist in der Adventszeit und zwischen den Jahren ein lohnender Ausflug für die ganze Familie. Dort werden Geschichten erzählt, wie sie das Leben schreibt! Zwischen dem 1. Advent und Heilig Drei König sind alle Krippen zugänglich, später dann nur noch einzelne.
Ich wünsche Ihnen eine schöne Adventszeit!
Über die Legende der Drei Magier im ZDF Faktencheck: