Einer der wichtigsten Kulturschätze Bangkoks stammt ursprünglich aus der alten Königsstadt Sukothai. Die spannende Geschichte des Buddha im Tempel Traimit Witthayaram hat mir unser Local Guide in Bangkok erzählt.
Sokuthai vor 750 Jahren
Das Gewitter macht Abt Nattaporn aber keine Sorgen, sein Kloster Wat Klong in Sukhothai hat schon manchen Monsun schadlos überstanden. Beängstigend sind die Nachrichten, die von den Bergvölkern im Norden Siams zu ihm in die Hauptstadt dringen. Die kriegerischen Stämme Burmas rotten sich zusammen, um mit der kommenden Trockenzeit in Siam auf Raubzug zu gehen. Nicht nur, dass sie die Frauen und Kinder der Bauern als Sklaven verschleppen, sie machen auch vor den Klöstern nicht halt.
Die Kunde vom riesigen, goldenen Bildnis des Buddha im Wat Klong ist bestimmt auch bis nach Burma vorgedrungen, kommen doch jedes Jahr Pilgerscharen zum Tempelfest am elften Vollmond des Jahres von weit her. Undenkbar, wenn dieses Heiligtum in die Hände der Plünderer fallen würde!
Bangkok 1955 n.Chr.
In der großen Garage wäre genügend Platz, wenn nur der alte Gipsbuddha aus dem verlassenen Kloster Wat Phrayakai nicht wäre. Weder wertvoll, noch besonders schön wurde er schon vor Jahrhunderten aus der alten Königsstadt Ayutthaya nach Bangkok gebracht. Der inzwischen verstorbene Fabrikbesitzer wollte ihn einem Tempel zum Geschenk machen und um gute Geschäfte bitten – dafüt hatte der Buddha ja schon jahrelang in der Garage gesorgt.
Herr Rama, der neue Direktor nimmt das jetzt selbst in die Hand. Aber der Abt des berühmten Wat Pho Klosters winkt ab: Im riesigen Tempelbezirk gibt es schon hunderte Buddhas in allen erdenklichen Posen aus Bronze gegossen, viele davon sogar vergoldet. Sie dienen am Grabmal berühmter Persönlichkeiten, deren Nachkommen es sich jedes Jahr viel Geld kosten lassen, die Asche ihrer Ahnen in der Wand hinter einem der Buddhas zu wissen. Da ist für einen in die Jahre gekommenen Gipsbuddha kein Platz!
Dem alten Abt Phra Visutha-Thibordee ist nicht so wichtig aus welchem Material die Figur ist, sondern dass sie in ihrem offensichtlich ehrwürdigen Alter den Gläubigen eine lange Geschichte zu erzählen hat. Aber wie den viele Tonnen schweren, sitzenden und immer noch mehr als zehn Fuß hohen Buddha auf die oberste Plattform des pyramidenförmigen Tempels transportieren?
Ein großer Kran musste her und die Seilmacher aus dem Chinesenviertel sollten aus Kokosfasern extra reisfestes Hebezeug drehen!
Der große Tag des Buddha
Aber oh du Schreck: Beim Absetzen ist der Kranführer viel zu hastig, der Gips bricht am Sockel und einige große Stücke fallen aus der Flanke und von der Armen ab. Die Sonnenstrahlen lassen den demolierten Gipsbuddha seltsam aufblitzen – metallisches ist unter dem Gips zu sehen. In einer dicken Schale aus bemaltem und teilweise vergoldetem Gips steckt ein Buddha aus 18 karätigem Gold, viel älter als der Gipsbuddha aus Ayutthaya.
Es war zweifelsfrei der vor mehr als achthundert Jahren in Sukothai verschwundene Goldbuddha, von dem die alten Schriften berichten und den man verloren geglaubt hatte.
Der alte Abt aber lächelt und sagt: „Buddha hat uns gelehrt, die Gier zu überwinden, um der Erleuchtung einen Schritt näher zu kommen. Auch ein Buddha aus Gips, dessen Haltung das Böse in seine Schranken weist, erinnert uns an diese Worte“.
Seitdem heißt das Kloster der Tempel des goldenen Buddha.

Es handelt sich um das weltweite größte Bildnis Buddhas aus reinem Gold. Es ist 15 Fuß 9 Zoll hoch und hat einen Durchmesser von 12 Fuß und 5 Zoll.
Bei einem Gesamtgewicht des Goldes von 5,5 Tonnen liegt der Materialwert bei mehr als 200 Millionen Euro!