Von Loffeld am Staffelberg wandern wir zum Rinsberg bei Burgellern. Dort kämpften die Burgunderkönige Gunter und Hagen ihre letzte Schlacht – so erzählt uns das Nibelungenlied.
In unserem Land vor langer Zeit
So segelten zur Zeit der Völkerwanderung ein paar Schiffe aus Burgund nördlich von Bergen in Norwegen kommend, die Elbe hoch, bis in die Lausitz. Wie lange die Burgunder dort blieben wissen wir nicht, aber um 400 nach Christus besiedelten sie bereits das ganze Maintal bis zur Hauptstadt Worms, bis zu ihren Grenzfestungen am Staffelberg und auf dem Reisberg, der damals Rinsburg (Grenzburg) hieß.
Das Nibelungenlied erzählt wie die Burgunder in ihrem letzten Kriegszug die Schiffe den Main aufwärts zur Verstärkung ihrer Grenzfesten am Obermain führten, um ihre letzte Schlacht gegen die Sachsen und Dänen zu schlagen.
Unterwegs auf der alten Heerstraße
Wir haben in Loffeld am Fuß des Staffelbergs übernachtet und ein letztes Mal den Felsenkranz im Licht der hell strahlenden Morgensonne bewundert. Ob die Burgunder die Bergfestung von den Nachfahren der Kelten übernommen hatten?
Unser Wanderweg führt auf der alten Heerstraße oben am Alprand entlang, der Kante des Millionen Jahre alten Korallenriffs. Die trockene Karstlandschaft trug auch zur Völkerwanderungszeit nur eine lichte Bewaldung im Gegensatz zu den versumpften und unpassierbaren Flusstälern.
Vom Aussichtspunkt am Morgenbühl breitet sich ein fantastisches Panorama vor uns aus: Im Süden die Veitskapelle auf dem Arnsberg, im Westen die Haßberge, Kloster Banz weiter im Norden und der Staffelberg zu unserer Rechten.
Schwerter zu Pflugscharen
Die wunderbar blühenden Blumen im Garten, die ruhige, befreiende Stimmung, der unendlich weite Blick bis zum kahlen, hell kalkweiß leuchtenden Weinberg im Norden – dies ist ein ganz besonderer Ort!
Unser Gefühl trügt nicht! Obwohl die Gaststube nur sonntags geöffnet ist, kredenzt Schwester Marie selbstverständlich durstigen Wanderern eine Schorle oder einen Kaffee auch an anderen Tagen der Woche.
Im Schatten des kleinen Pavillons packen wir unser Vesper aus, das uns die freundliche Wirtin vom Bräustübl heute Morgen dick mit Schinkenwurst und Gurken belegt hat. Dazu ein duftender Apfel und eine frische Weinschorle – uns geht’s gut!

Das Königsgrab der Nibelungen
Macht nichts – wir gehen den Flurbereinigungsweg wieder aufwärts und entdecken in der Ferne Bamberg und die Türme von Sankt Michael und den Dom. Oben, am Bolzplatz von Roschlaub, steh vor einer kleinen Kapelle eine steinerne Säule, deren Schaft nach dem Christuswort „Ich bin der Weinstock und ihr seid die Reben …“ gestaltet ist. Auf einer der vier Bildtafeln zeigt sie das Jesuskind mit den Vierzehn Nothelfern, was den Wanderer darauf hinweist, dass hier der Wallfahrtsweg nach Vierzehnheiligen vorbei führt. Klar, da kommen wir ja her!
Die kleine Kapelle dahinter wurde der Legende nach zum Andenken an den König gebaut, dessen Grabhügel nach seiner letzten Schlacht vor Äonen hier am Waldrand errichtet wurde. Ein König, dessen Krieger auf der Heerstraße an seinem Grab vorbeizogen und der von hier aus seine Lande überblicken konnte – das kann nur einer der letzten Nibelungen gewesen sein, wie die Burgunder in der Sage genannt werden!
Wir wandern weiter auf dem Weg der Nibelungen durch Roschlaub, in dem das einzige Gasthaus auch nur noch sonntags geöffnet hat, dann über die Höhe bei Pausdorf hinunter ins Ellertal. Gegenüber erhebt sich der Reisberg, auf dem eine frühgermanische, doppelte Ringwallanlage mit Schlitzmauerwerk nachgewiesen wurde, wie wir sie auf dem Staffelberg als Rekostruktion gestern gesehen haben. Die Streufunde rings um diese Mauer sind Zeugen eines heftigen Eroberungskampfes, den die Verteidiger wohl verloren haben, dann nach diesem Zeitpunkt um 450 war der Berg nicht mehr besiedelt.
Hat Kriemhild dort ihren gefangenen Bruder Gunther enthaupten lassen und ihn mit dem Schwert getötet? Wir werden es nie erfahren, da der Sage nach auch sie letztlich dafür sterben musste. Aber wenn auf dem Reisberg ein König starb, könnte er tatsächlich in Roschlaub seine letzte Ruhestätte gefunden haben.
So wandern wir vielleicht auf den Spuren der Nibelungen und im Anblick der Burg, in der sie ihren letzten Kampf fochten, auf Burgellern zu. Sichtlich erleichtert im Schloss ein fürstliches Zimmer vorzufinden, in dem wir nicht befürchten müssen, wegen eines Geheimnisses um den Verbleib eines Schatzes gemeuchelt zu werden.
