Das Walberla bei Kirchehrenbach im Forchheimer Land ist der Ehrenbürg der Franken und hat schon die Romantiker des vorletzten Jahrhunderts in seinen Bann geschlagen. Auch im Winter bietet der Ehrenbürg eine fantastische Sicht und sonnige Wege für Traumwanderer.
Auf’s Walberla mit Sonnenschein
Nach trüben, grauen Tagen weckt uns der strahlende Sonnenschein an diesen Wintersonntag. Heute Nacht hatte es bei klarem Himmel Frost und der Matsch, zu dem der Regen letzte Woche die Wege hat versumpfen lassen, ist fest und griffig gefroren.
Eigentlich hatten wir angesichts des nasskalten Januar-Wetters vor, das Walberla auf dem geschotterten Fahrweg nach Leutenbach zu umrunden (Beschreibung siehe unten). Aber ohne Schnee und Eis wagen wir den direkten Wanderweg über den Gipfel und halten es mit Viktor von Scheffel, dessen Gedicht uns auf einer Tafel direkt gegenüber dem Wanderparkplatz mit den Worten begrüßt:
„Ob Forchheim bei Kirchehrenbach, woll’n wir zu Berge steigen, …“
Gleich oberhalb des Parkplatzes ist ein Pavillon mit vielen Tafeln, welche die Geologie des Zeugenberges, die einzigartige Flora und Fauna des Naturschutzgebietes, archäologische Funde und die Geschichten um das Brauchtum der Maikirchweih ausführlich erläutern (als PDF finden Sie die Tafeln im Archiv).
Bei unserem Aufstieg folgen wir leicht links einem schmalen Feldweg, der bald zum Wanderweg wird. Eine kleine Tafel am Wegrand erinnert an den gefallenen Soldaten, der in den letzten Kriegstagen Kirchehrenbach und das Walberla verteidigen musste. Auf dem Talweg nach Leutenbach steht ein Christuskreuz zum Gedenken an Josef Albert, der nur wenige Tage vorher fiel, als die Amerikaner schon die Regnitz nach Osten überschritten hatten und alles schon lange verloren war.
Der Ehrenbürg als Schauplatz kriegerischer Auseinandersetzungen, als Rückzugsort und Fluchtraum hat schon mehr als 3.500 Jahre Tradition. Nachweislich entstand bereits damals eine befestigte Höhensiedlung auf dem Walberla, nachdem schon tausend Jahre vorher Steinzeitmenschen Lager und kleine Siedlungen im Bereich des Sattels zwischen den Gipfeln angelegt hatten.
Die Kelten befestigten das Hochplateau dann in der frühen Eisenzeit mit einer wehrhaften Mauer, Palisadenwänden und zwei Toren, die einer größeren Bevölkerungsgruppe Schutz und Lebensraum boten.
Die Heilige Walburga
Schon beim Aufstieg hatten wir das schmiedeeiserne Turmkreuz des Walburgis Kirchleins durch die winterlich kahlen Baumkronen spitzen sehen. Bereits während der Regierungszeit Karls des Großen wurde eine kleine Kapelle zur Missionierung der slawischen Wenden in der fränkischen Schweiz erbaut. Walburga, eine 40-jährige Nonne aus dem englischen Adel, kam um 750 nach Germanien und erhielt in Mainz von Bischof Bonifatius den Auftrag zur Missionierung in Franken. Ihr Bruder Willibald gründete zur selben Zeit das Kloster Eichstätt und Wunnibald, ihr anderer Bruder das Kloster Heidenheim. Man nimmt an, dass Walburga, die nach dessen Tod Äbtissin wurde, dort 762 mit ihren Begleiterinnen einen Frauenkonvent gründete.
Die Bronzestatue von Ernst Steinacher vor der heutigen, gotischen Kapelle erzählt ihre Geschichte: Mit dem Hirtenstab der Äbtissin und dem Rosenkranz in der Rechten sowie dem Evangelienbuch des Hl. Bonifatius in der Linken missionierte sie auf dem Ehrenbürg, dem heiligen Berg der Franken.
Der kleine Krug, der ihr um den Hals hängt, enthält das „Walburgisöl“. Seit Jahrhunderten sammelt sich unter ihrer Grabstätte in Eichstätt Kondenswasser, dem Heilkraft zugeschrieben wird. „Wer’s glaubt wird selig“ hat schon meine Mutter gesagt!
Der Jahrmarkt am ersten Sonntag im Mai
Wir wenden uns zunächst nach Osten, dem Gipfel des Walberla zu, um den fantastischen Ausblick auf das Wiesenttal, Burg Feuerstein und die Vexierkapelle auf der anderen Talseite zu bestaunen. Die Dolomit-Felsen des uralten Schwammriffs bilden Köpfe und Türme mit Klüften und Spalten, die senkrecht ins Tal des Ehrenbachs abfallen. Dort unten erkennt man am Waldrand den Flurweg, auf dem wir den Bergstock bei schlechterem Wetter umrundet hätten.
Wie heißt es in Scheffels Gedicht doch weiter:
Wenn unser Blick zurück zur Kapelle und über den Sattel zum westlichen Gipfel schweift, können wir uns kaum vorstellen, dass hier am ersten Sonntag im Mai der Bär los ist – dann hält man hier Jahrmarkt und Kirchweih.
Seit alters her wurden hier Süßholz und Schuhe, Lebkuchenherzen und natürlich fränkisches Bier in Maßen angeboten.
Zur Akropolis am Rodenstein
Vom Gipfel des Walberla führt unser Weg in die Talsohle, dort, wo zur Keltenzeit die stark befestigten Toranlagen den Zugang zur Siedlung schützten. In der Nähe des Westtores wurde die keltische Mauer mit ihrer hölzernen Brustwehr rekonstruiert.
Das ganze Ausmaß der Höhensiedlung wurde erst erkannt, als die Kellergruben der Häuser durch eine geomagnetische Erkundung nachgewiesen wurden und in der darauffolgenden Grabung zahlreiche Keramik, Bronzefibeln und Schmuckstücke entdeckt wurden, welche auf die weitgespannten Handelsbeziehungen hinwiesen, die bis in den Mittelmeerraum reichten (ausführliche Information bieten die Archäologischen Tafeln im Archiv).
Unser Weg steigt langsam wieder an und über uns erheben sich die Dolomit-Felsen des Rodensteins. Der steile Anstieg der Böschung war mit einer zusätzlichen Mauer verstärkt, die quer über den Sattel verlief. Nur durch ein weiteres Tor konnte man die Akropolis, die obere befestigte Stadt auf dem Rodenstein, betreten. Vom Gipfel kann man im Süden Leutenbach im Tal ausmachen.
Der östliche Weg nach Leutenbach
Wenn man sich am Beginn der Wanderung nach Osten auf den Flurweg nach Leutenbach aufmacht, wandert man bequem auf halber Höhe zwischen dem Osthang des Walberla und dem Tal des Ehrenbachs, der von Leutenbach kommend nach Kirchehrenbach fließt. Dieser Weg ist im Gegensatz zum Gipfelweg auf für Kinderwagen tauglich!
Vor mehr als 500 Jahren wurde in Leutenbach ein Silberbergwerk beurkundet, dessen Besitzern der Bamberger Bischof freie Nutzung von Wald und Wasser zusicherte, wenn sie den Zehnten an allem geschürften Edelmetall ablieferten.
Dem Kalender des Leutenbacher Kaplans Konrad Ringelman von 1859 nach, soll der Wasserfall unterhalb des Burgstalls (siehe 1000 Jahre Leutenbach) eine Mühle angetrieben haben. Weiter oben, in Oberleitenberg, war die Siedlung der Bergarbeiter und das Silberloch, in das man nur auf allen Vieren gelangte. Da auch die Leutenbacher Burg auf Dolomit aus dem Jurameer sitzt, konnte es sich bei den Funden nur um silberhaltigen Schwemmsand handeln, den die Strömungen des Urmeers in der Höhle zusammengetragen hatten.
In der Gegenwart finden wir den größeren Schatz in Form einer warmen Mahrzeit und eines kühlen Bieres im Brauereigasthof „Drummer“, ehe wir danach den Anstieg in Richtung Schlaifhausen zum Eichelberg in Angriff nehmen. Am Wanderparkplatz dort treffen wir auf den direkten Weg vom Rodenstein, den ich weiter oben beschrieben habe.

Vom Eichelberg führt eine schmale Fahrstraße nach Schaifhausen, wo beim Gasthof „Kroder“ Schäuferla und dunkles Bier oder Kaffee und Kuchen für die Wanderer von Leutenbach locken.
Vor hier ist es nur noch eine gute halbe Stunde zurück zum Parkplatz am Sonnenhang des Walberla, wo im Frühjahr die Blüten der Bäume von den Streuobstwiesen einen betörenden Duft verströmen, den wir auf unserer Winterwanderung nur erahnen können.
Im 17. Jhdt. waren hier noch überall Weinberge, ehe durch die Klimaänderung damals die Winter zu kalt und Sommer zu regnerisch wurden. Ob hier bald wieder Silvaner gedeiht und auf dem Walberlafest Frankenwein satt Bier ausgeschenkt wird?
